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Tarot und Kabbala: Die verborgene Verbindung der 22 Pfade

Entdecke die mystische Verbindung zwischen den 22 Großen Arkana des Tarot und den 22 Pfaden des kabbalistischen Lebensbaums. Eine Reise durch die westliche Mysterientradition.

Tarot und Kabbala: Die verborgene Verbindung der 22 Pfade

Wenn du die Tarotkarten wirklich verstehen willst, musst du den Baum kennen, auf dem sie wachsen.

Die meisten Menschen kennen Tarot als Wahrsage-Werkzeug – 78 bunte Karten, die die Zukunft enthüllen sollen. Doch hinter den Bildern verbirgt sich ein uraltes System spiritueller Weisheit: die Kabbala, die jüdische Mystik, deren Herzstück der Lebensbaum ist.

In diesem Artikel erfährst du, wie die 22 Karten der Großen Arkana mit den 22 Pfaden des Lebensbaums verbunden sind – und warum dieses Wissen dein Verständnis von Tarot für immer verändern wird.

Was ist der kabbalistische Lebensbaum?

Der Lebensbaum (hebräisch: Etz Chaim) ist eine Landkarte des Universums und der menschlichen Seele. Er besteht aus:

  • 10 Sephiroth (Sphären): Die göttlichen Eigenschaften oder Bewusstseinszustände
  • 22 Pfade: Die Verbindungen zwischen den Sephiroth
  • 3 Säulen: Strenge, Gnade und Gleichgewicht

Die Sephiroth reichen von Kether (der Krone, dem reinsten göttlichen Licht) bis Malkuth (dem Königreich, unserer physischen Welt). Dazwischen liegen die anderen acht Sephiroth wie Tiphareth (Schönheit, das Herz des Baumes) und Yesod (das Fundament, die astrale Ebene).

Die zentrale Erkenntnis: Die 22 Pfade, die diese Sphären verbinden, entsprechen exakt den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets – und den 22 Karten der Großen Arkana.

Die Entstehung der Verbindung

Die Verknüpfung von Tarot und Kabbala ist kein Zufall, sondern das Werk westlicher Okkultisten des 19. Jahrhunderts. Der Hermetic Order of the Golden Dawn – ein Geheimbund, dem Persönlichkeiten wie W.B. Yeats und Aleister Crowley angehörten – systematisierte diese Verbindung.

Ihre Erkenntnisse flossen direkt in das heute bekannteste Tarot-Deck: das Rider-Waite-Smith Tarot (1909), illustriert von Pamela Colman Smith unter Anleitung von Arthur Edward Waite – beide Mitglieder des Golden Dawn.

Die 22 Pfade: Eine Übersicht

Hier die Zuordnung der 22 Großen Arkana zu den Pfaden des Lebensbaums:

PfadTarotVerbindungHebräischer Buchstabe
11Der NarrKether – ChokmahAleph (א)
12Der MagierKether – BinahBeth (ב)
13Die HohepriesterinKether – TipharethGimel (ג)
14Die KaiserinChokmah – BinahDaleth (ד)
15Der KaiserChokmah – TipharethHe (ה)
16Der HierophantChokmah – ChesedVav (ו)
17Die LiebendenBinah – TipharethZain (ז)
18Der WagenBinah – GeburahCheth (ח)
19Die KraftChesed – GeburahTeth (ט)
20Der EremitChesed – TipharethYod (י)
21Das RadChesed – NetzachKaph (כ)
22Die GerechtigkeitGeburah – TipharethLamed (ל)
23Der GehängteGeburah – HodMem (מ)
24Der TodTiphareth – NetzachNun (נ)
25Die MäßigungTiphareth – YesodSamekh (ס)
26Der TeufelTiphareth – HodAyin (ע)
27Der TurmNetzach – HodPe (פ)
28Der SternNetzach – YesodTzaddi (צ)
29Der MondNetzach – MalkuthQoph (ק)
30Die SonneHod – YesodResh (ר)
31Das GerichtHod – MalkuthShin (ש)
32Die WeltYesod – MalkuthTau (ת)

Drei Beispiele für tiefes Verstehen

Der Narr: Pfad 11 (Kether – Chokmah)

Der Narr ist die erste und zugleich letzte Karte – nummeriert mit 0 (oder 22). Er verbindet Kether (die Krone, das reine Sein) mit Chokmah (die Weisheit, der erste Impuls).

Der hebräische Buchstabe Aleph (א) bedeutet “Ochse” oder “Atem” – die primäre Lebenskraft. Der Narr ist dieser erste Atemzug des Universums, das reine Potential vor jeder Manifestation.

In der Praxis: Wenn der Narr in einem Reading erscheint, erinnert er dich an diesen uranfänglichen Impuls – den Mut, ins Unbekannte zu springen, weil du aus dem Nichts kommst und ins Alles gehst.

Der Gehängte: Pfad 23 (Geburah – Hod)

Der Gehängte verbindet Geburah (Strenge, Mars) mit Hod (Glanz, Merkur). Der hebräische Buchstabe Mem (מ) bedeutet “Wasser”.

Diese Verbindung zeigt: Manchmal muss die aggressive Kraft (Geburah) aufgegeben werden, um intellektuelle Klarheit (Hod) zu erreichen. Das Wasser (Mem) symbolisiert das Fließen-Lassen, das Aufgeben von Kontrolle.

In der Praxis: Der Gehängte fordert dich nicht zum Handeln auf, sondern zum Nicht-Handeln – zur Hingabe an eine höhere Perspektive.

Die Welt: Pfad 32 (Yesod – Malkuth)

Die Welt ist die letzte Karte (XXI) und verbindet Yesod (das Fundament, die astrale Ebene) mit Malkuth (das Königreich, die physische Welt). Der hebräische Buchstabe Tau (ת) bedeutet “Kreuz” oder “Zeichen”.

Diese Karte zeigt die vollständige Inkarnation des Göttlichen in der Materie – die tanzende Figur hat alle 22 Pfade durchschritten und ist vollständig in der Welt angekommen. Sie trägt zwei Stäbe wie der Magier – aber jetzt sind sie gemeistert.

In der Praxis: Die Welt zeigt Vollendung, Integration und den Beginn eines neuen Zyklus. Die Reise des Narren ist abgeschlossen.

Die Reise des Narren als Pfadarbeit

Die 22 Großen Arkana erzählen die Geschichte einer Seele, die durch alle Pfade des Lebensbaums reist – von der höchsten Quelle bis zur vollständigen Verkörperung:

Phase 1: Die supernale Triade (Karten 0-7) Der Narr beginnt in den höchsten Sphären und steigt herab durch die Archetypen: Magier (Wille), Hohepriesterin (Intuition), Kaiserin (Schöpfung), Kaiser (Struktur), Hierophant (Tradition), Liebende (Wahl), Wagen (Triumph).

Phase 2: Die ethische Triade (Karten 8-14) Die Seele begegnet den moralischen Prüfungen: Kraft (Mut), Eremit (Innenschau), Rad (Schicksal), Gerechtigkeit (Karma), Gehängter (Opfer), Tod (Transformation), Mäßigung (Integration).

Phase 3: Die astrale Triade (Karten 15-21) Die dunkelsten und hellsten Erfahrungen: Teufel (Schatten), Turm (Zusammenbruch), Stern (Hoffnung), Mond (Illusion), Sonne (Klarheit), Gericht (Erwachen), Welt (Vollendung).

Praktische Anwendung

Meditation mit Pfaden

Wähle eine Tarot-Karte, die dich gerade anspricht. Finde heraus, welchen Pfad sie repräsentiert und welche zwei Sephiroth sie verbindet. Dann meditiere:

  1. Visualisiere die erste Sephira (z.B. Geburah)
  2. Sieh den Pfad als leuchtende Linie
  3. Visualisiere die zweite Sephira (z.B. Hod)
  4. Wandere den Pfad entlang
  5. Beobachte, welche Bilder und Gefühle auftauchen

Readings mit Baum-Bewusstsein

Wenn du Tarot legst, frage dich bei jeder Großen Arkana:

  • Welchen Pfad zeigt mir diese Karte?
  • Zwischen welchen Energien (Sephiroth) bewege ich mich gerade?
  • Was will dieser Übergang mich lehren?

Die vier Welten

Die Kabbala kennt vier Welten, und das Tarot reflektiert sie:

WeltBedeutungTarot-Entsprechung
AtziluthArchetypische WeltGroße Arkana (als reine Prinzipien)
BriahSchöpferische WeltHofkarten (als Persönlichkeiten)
YetzirahFormative WeltKleine Arkana (als Prozesse)
AssiahMaterielle WeltDie konkrete Situation im Reading

Kritische Anmerkung

Nicht alle Tarot-Traditionen nutzen die gleiche Zuordnung. Aleister Crowley tauschte etwa die Positionen von “Der Stern” und “Der Kaiser” – basierend auf seinen eigenen Offenbarungen im Book of the Law.

Für den Anfang empfehle ich die Golden-Dawn-Zuordnung, wie sie hier dargestellt ist. Mit wachsender Erfahrung kannst du selbst experimentieren und spüren, was für dich stimmig ist.

Der Anfang deiner Reise

Die Verbindung von Tarot und Kabbala ist kein intellektuelles Puzzlespiel – sie ist eine lebendige Praxis. Wenn du beginnst, die Karten als Pfade zu sehen, als Übergänge zwischen Bewusstseinszuständen, dann werden sie mehr als Bilder.

Sie werden zu Toren.

Und der Narr in dir, der immer noch am Abgrund steht, bereit zum Sprung – er weiß längst, dass der Baum des Lebens kein Ort ist, den man erreicht.

Er ist ein Weg, den man geht.


Weiterführende Artikel

  • Die Reise des Narren – Alle 22 Stationen der Großen Arkana im Detail
  • Der Lebensbaum für Einsteiger – Die 10 Sephiroth verstehen
  • Die drei Säulen der Kabbala – Strenge, Gnade und Gleichgewicht

Hast du Fragen zur Verbindung von Tarot und Kabbala? Schreib mir – ich freue mich auf den Austausch.

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